OHNE BEDEUTUNG. DER SINN DES SCHWEIGENS BEI GERT NEUMANN
Christian Driesen
"Maurice Blanchot schreibt: 'Sprechen ist das Sprechen der Erwartung, worin die Dinge in den latenten Zustand zurückgekehrt sind.' Dieser Zustand kann als ein Zwischenraum bestimmt werden, in dem die Dinge nicht mehr fixiert sind, aber auch noch keine Form besitzen. Sie sind einzig intensiv, insofern sie in dieser Schwebe, in dieser Differenz persistieren als die Möglichkeit ihres eigenen Ereignisses. Ein Sprechen, das diesen Raum eröffnet, in dem es unaufhörlich die Ankunft der Dinge erwartet, ist selbst ein taumelndes Sprechen: Es offenbart eine poetische Struktur unterhalb der sprachlichen Wirklichkeit, eine Art 'Nicht-Sprechen, das zur Sprache gehört.'"
ohne bedeutung

AWAKUUM. Gedichte :::: ZWEITE PERSON
Heidemarie Härtl :::: Gert Neumann
"Erinnerung muss sich dem Gedächtnis anvertrauen -, das gut oder schlecht, irreführend, verloren werden kann, wenn nicht sogar trügen. Erinnern ist, dem Gedächtnis vertrauen, obwohl unsere Stellung zum Gedächtnis bedenklich ist und zweifelnd. Erinnern schöpft aus dem Gedächtnis; es ist tätig, daran gibt es keinen Zweifel. Erinnern möchte zur Sprache bringen, was im Gedächtnis haftet. Das Gedächtnis ist schweigend dabei: während die Rede des Erinnerns schon um Glaubwürdigkeit zu ringen beginnt. Erinnern hat mit Fragen der Achtung des Gedächtnisses zu tun; dessen Bildung eigentlich viel Rätsel gibt. Erinnern kann Achtung vor dem Gedächtnis verlieren, aus dem Erinnern schöpft."
ohne bedeutung